Reportage der Hochschule der Medien Stuttgart

Foto: Anthon Wagner

Laura Köpf und Mareike Mössner

Reportage der Hochschule der Medien in Stuttgart

 

Leben als Eremit

Einsam, entlegen, erfinderisch

 

21.11.2016

 „Eremiten sind Wüstenbewohner der modernen Welt, die sich dazu entschlossen haben, ein Leben abseits des Alltagstrubels zu führen“, sagt Ebba Hagenberg-Miliu. Der 71-jährige Hans Anthon Wagner ist so ein Wüstenbewohner, er hat die Einsamkeit als Lebensform gewählt. Seit 43 Jahren lebt er in einem Schäferkarren auf nur 3,6 Quadratmetern Wohnraum. Doch wie leben Eremiten heute, abseits des Alltagstrubels und der Großraumbüros

 

Ein kühler Novembermorgen, es ist 7.30 Uhr. Im Naturpark Schönbuch nahe Tübingen steht ein winzig kleiner Schäferkarren etwas verlassen am Waldrand. Hans Anthon Wagner öffnet die Tür seiner Behausung. Er macht Feuer, kocht Wasser und nimmt Platz in seinem selbsternannten, 2100 Quadratmeter großen Freiluft-Wohnzimmer. Er ist die Verkörperung des modernen Eremiten, allein lebend und sich selbst genügend.

 

Dem Hamsterrad entfliehen

 

„Eremiten sind der Wortbedeutung nach Wüstenbewohner", so Ebba Hagenberg-Miliu, Journalistin und Buchautorin. Sie porträtierte bisher 33 Eremiten, darunter auch Hans Anthon Wagner. Vom Frieden und der Gelassenheit dieses bescheidenen Lebens, aber auch von den negativen Seiten, berichtete sie. Eremiten leben einsam und ohne Beziehungen, manche sogar enthaltsam. Darüber hinaus unterscheiden die Konzentration aufs Wesentliche und ein ruhigerer Alltag ein eremitisches Leben von jenem eines durchschnittlichen deutschen Bürgers. „Es betrifft auch unser Leben. Aus dem Alltag herauskommen, dem Hamsterrad entfliehen und sein Leben entschleunigen, das ist einfach ein faszinierender Gedanke", so die Journalistin.

 

Eremiten als Nachbarn

 

Unter den Eremiten, die sie fand, gibt es religiös-motivierte Menschen, oft ehemalige Mönche und Nonnen. Für sie bedeutet das Eremitendasein eine Annäherung an Gott. Es gibt aber unter ihnen auch viele Menschen wie den Nachbarn drei Türen weiter. „Sie finden eremitisches Leben heute im Hochhaus um die Ecke, im Zirkuswagen, in der Wohnung nebenan. Vielleicht wissen Sie gar nichts davon, dass da ein Mensch ist, der abgekapselt von allem leben will."

 

Hagenberg-Miliu bezeichnet diese Einsiedler als „Feld-, Wald und Wiesen-Eremiten". Zu diesem Typ gehört auch Wagner, den sie während ihrer Recherche kennengelernt hat. „Er ist ein Eremit der philosophischen Art, der sehr auf die Natur bezogen ist". Das Bedürfnis nach Alleinsein habe Wagner gespürt, seit er denken kann. Die Abwesenheit anderer Menschen sei für ihn meist kein Mangel, sondern fördere ganz im Gegenteil sein Wohlbefinden. Wagner war erst 29 Jahre alt, als er beschloss, in einen Schäferkarren am Waldrand zu ziehen. Ein ungewöhnlich junges Alter für den Neustart als Eremit. Erfinderisch und kreativ richtete er sich seine neue Wohnung in der Natur ein.

 

„Reise ohne Rückfahrkarte"

 

„Eremit sein ist eine Reise ohne Rückfahrkarte, eine Entscheidung fürs Leben. Man wird nicht Eremit, um mal kurzzeitig den Kopf freizubekommen und irgendwann wieder in den geregelten Alltag zurückzukommen." Wenn der Entschluss gefasst ist, bringt er den Abbruch der bisherigen Lebensweise mit sich. Dazu gehören das Loslassen aller sozialen Kontakte und natürlich auch der Berufsausstieg. „Eremiten ticken ganz anders, sie sind nicht mit den Kommunikationsformen, die wir pflegen, vertraut", so Hagenberg-Miliu. Eine wirkliche Freundschaft zu den Eremiten, die sie getroffen hat, sei daher nie entstanden.

 

http://redaktionzukunft.de/einsam-entlegen-erfinderisch

 (Nutzer: cmc, Passwort: redakteur)

 

 

 

Interview von Domradio

„Das Buch trifft einen Nerv. Fragen wie die, wo ich eigentlich stehe und was ich der Welt geben kann, liegen in der Luft.“

Paula Konersmann, Katholische Nachrichten-Agentur KNA

 

 

 Entstanden ist ein spannendes Buch, das nicht nur Einblick in den Alltag der modernen Einsiedelei bietet, sondern auch zentrale Fragen an den modernen Lebensstil stellt, der nach immer mehr strebt, der immer hektischer wird und der immer weniger Zeit für Gott hat.“

K. Rüdiger Durth, Homepage Evangelische Kirche im Rheinland

 

 

"Sehr lesenswert finde ich dieses Buch, weil nicht nur römisch-katholische und kirchliche Eremiten zu Wort kommen, sondern auch Menschen, die sich nicht aus Glaubensgründen in das Leben als Einsiedler zurückgezogen haben."

 

Schwester Britta Alt, Eremitin, online

 

 

"Die Autorin zeigt zudem Möglichkeiten auf, wie man im Alltag das Eremitendasein ausprobieren kann, ohne gleich den radikalen Schritt gehen zu müssen."

Frank Vallender, General-Anzeiger Bonn

 

 

"Den Frauen und Männern unterschiedlichen Alters, die den Verzicht auf Sicherheit als befreiend empfinden, nähert sich Ebba Hagenberg-Miliu fragend, aber mit Respekt. Das Buch öffnet den Blick für ein kaum wahrgenommenes Phänomen. Und es zeigt, dass Eremiten gar nicht so weltfremd sind, wie sie manchmal abgestempelt werden."

Marius Koity, Ostthüringische Zeitung

 

 

"Sie verschafft ihren Hauptdarstellern im dicht besiedelten Europa etwas Raum und bietet dem Leser Beispiele, wie sie das Alleinsein selbst testen könnten. Ein lesenswertes Buch, das tiefe Einblicke gibt."

Philipp Königs, Bonner Rundschau

 

 

"Dabei gehe es um den Ausbruch aus dem Hamsterrad des Alltags, aber auch um die Durststrecken zwischendurch und die neuen Kräfte, die die Eremiten aus der Einsamkeit heraus entwickelten."

Esther Soth, Evangelischer Pressedienst epd

 

 

"In der gegenwärtigen, überaus hektischen Zeit wird es für den Einzelnen immer wichtiger, eine Entschleunigung durch Zeiten der Ruhe und Stille, der Besinnung und Meditation herbeizuführen. Das Buch ist empfehlenswert für alle spirituell interessierten Leser."

Michael Mücke,

St. Michaelsbund

 

 

"Allein den Spagat zu meistern, zwischen kirchlich orientierten Eremiten und den nicht-kirchlich orientierten Einsiedlern zu unterscheiden und dabei doch die großen Linien der Gemeinsamkeiten im Blick zu behalten, ist eine großartige Leistung. Mit diesem Buch ist der Autorin ein kleines Meisterwerk gelungen, das gerade demjenigen, der in der "normalen" Alltagswelt zu Hause ist, Anregung und Begleiter sein kann."

Christoph Bauerle, Katholiken im Burgviertel

 

 

"So ist eine fesselnde und einzigartige Dokumentation über Lebensformen und Lebensmöglichkeiten entstanden, die unser Bild von unserer sozialen Welt um eine bedeutsame Dimension erweitert."

Barbara Ter-Nedden, Parkbuchhandlung online

 

 

"Gut geschrieben, immer die notwendige Diskretion wahrend, lässt uns die Autorin teilhaben an einem Leben, von dem die Meisten heute meinen, dass es dies gar nicht mehr gibt."

K. Rüdiger Durth, Der PROtestant

 

 

 

"Für die Frage, wo Dimensionen der Veränderung unseres eingefahrenen Lebens-

stils zu suchen sind, finde ich dieses Buch durchaus anregend."

Brigitta Kasprzik, Stadtbücherei Tübingen online